Private Krankenversicherung: Bilanz zu neuer Bonitätsprüfung
15.11.2011 / Bernd Schröder
In der privaten Krankenversicherung sind Nichtzahler ein großes Problem. Um die Beiträge künftig zu sichern, wenden einige Versicherer nun neue Bonitätsprüfungen an.
Weniger ist mehr! Mit dieser Erkenntnis haben bereits einige private Krankenversicherungen (PKV) ihre Aufnahmekriterien verschärft: Ohne Bonitätsprüfung wird kein neuer Vertrag mehr abgeschlossen. So will man sich in der PKV die Beiträge sichern und dem Problem der Nichtzahler entgegen steuern.
Nichtzahler in der privaten Krankenversicherung sind Grund für verschärfte Bonitätsprüfung
Vorreiter in Bezug auf die neuen Aufnahmerichtlinien sind die "Hallesche Krankenversicherung", die "DKV-Krankenversicherung" und die "HanseMerkur". Diese drei Versicherungsunternehmen nehmen schon jetzt keine neuen Mitglieder mehr ohne Bonitätsprüfung auf. Grund für dieses strikte Vorgehen sind die vielen Nichtzahler: Seit Einführung der Billigtarife ist die Zahl derjenigen Mitglieder stark angestiegen, die bereits nach einigen Monaten ihre Beiträge nicht mehr bezahlen können. Hierfür verantwortlich, so die "Hallesche Krankenversicherung", seien bestimmte Berufsgruppen wie Freiberufler oder junge Menschen, die sich ohne Erfolg selbständig gemacht haben. Fehlt dann das entsprechende Einkommen, können von Seiten der Versicherten auch keine Beiträge geleistet werden.
Nichtzahler: Versicherungsschutz trotz Beitragsausfall
Das Problem der Nichtzahler hat weitreichende Folgen für die Versicherungsunternehmen und das Gros der Beitragszahler: In der privaten Krankenversicherung kann seit 2009 keinem Mitglied mehr gekündigt werden, das die Beiträge nicht mehr bezahlen kann. Für Nichtzahler gilt darüberhinaus ein eingeschränkter Versicherungsschutz. Per Gesetz können sie in Notfällen weiter Leistungen ihrer Krankenkasse in Anspruch nehmen. Dies wiederum geht zu Lasten zahlender Mitglieder, deren Beiträge erhöht werden müssen, um die zum Teil erheblichen Ausfälle bzw. Kosten des jeweiligen Versicherungsunternehmens zu decken. Das alles stellt aus Sicht der privaten Krankenversicherung einen guten Grund für die Notwendigkeit einer verschärften Bonitätsprüfung dar.
Weniger Nichtzahler – bessere Bilanz
Durch eine vor Vertragsabschluss angesetzte Bonitätsprüfung ist die Zahl der Mitglieder bei allen drei genannten privaten Krankenversicherungen gesunken - aber auch die Zahl der Nichtzahler, was sich positiv auf die Bilanz jeder privaten Krankenversicherung auswirkt. Das Problem der Nichtzahler erfasst so ziemlich jede private Krankenkasse. Obwohl die Bonitätsprüfung deshalb mit Sicherheit von weiteren Versicherungsunternehmen übernommen wird, ist sie nicht unumstritten. Freuen können sich Auskunfteien wie Creditreform, Schufa und andere: Dann nämlich, wenn jede private Krankenversicherung jeden neuen Antrag auf Bonität prüfen lässt. Das Honorar für die Auskunfteien ist vermutlich immer noch günstiger, als einen potenziellen Nichtzahler aufzunehmen.
Die privaten Krankenversicherungen schätzen Zahlungsausfälle aufgrund von Nichtzahlern auf rund 400 Millionen Euro. Der private Versicherer "Hallesche Krankenversicherung" zog bereits eine erste Bilanz und meldete, dass rund 10 % der Antragsteller abgelehnt wurden. Bei anderen Versicherungen fällt die "Durchfallquote" allerdings wesentlich geringer aus. Genaue Zahlen der privaten Krankenversicherung liegen allerdings noch nicht vor.
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